Steife Brise INPUT – Keep it simple

“Schwarmdumm” von Gunter Dueck ist ein Bestseller. Und wir schwärmen mit. Eine seiner Thesen ist bestechend: Keep it simple. Weg vom Ego und von der Komplexität, hin zu mehr Invest auf Zeit, Raum und Muße für Einfachheit.

„Keep it simple!“

von Nadine Antler

Gunter Dueck beschäftigt sich in seinem Buch „Schwarmdumm“ (unter anderem) genau damit: Keep it simple. Wir arbeiten und bemühen uns wie irre, aber uns fehlen aufgrund unserer selbst verschuldeten Kompliziertheit oft Muße und Zeit. Unsere Arbeitsergebnisse – seien es Konzepte, Präsentationen oder frisch erarbeitete Lösungen für das neue Produktportfolio – rangieren oft zwischen „dumm einfach“ und „hochkomplex, aber umständlich“.

Das heißt: Vereinfache den Sachverhalt so, dass jeder versteht, worum es gerade geht. Im Improvisationstheater ist das hilfreich, damit jeder Mitspieler die Idee der Szene oder der Geschichte schnell erfassen kann, um gemeinsam im gleichen Film zu sein und zusammen am gleichen Ergebnis arbeiten zu können. Sind die Angebote der Spieler zu kompliziert oder gar widersprüchlich, wird es schwer für die Kollegen, das große Ganze zu unterstützen.

Warum fällt es uns so schwer, Einfachheit zu erzeugen? Die klassische Antwort ist: „Die Realität (wahlweise auch der Sachverhalt oder unser Alltag) ist viel zu komplex.“ Das ist sicher wahr. Meine Beobachtung ist aber, dass stattdessen oft unser Ego eine große Rolle spielt.

Gerade in Teamarbeit potenziert sich das Problem. Wenn mehrere Menschen ihre hochkomplexen Zusammenhänge nicht mehr kommunizieren können oder so mit Arbeit eingedeckt sind, dass sie gar keine Ressourcen frei haben, um klar und einfach zu kommunizieren, wird es immer schwerer, den Blick für das Ganze zu behalten und damit auch das Endergebnis zu koordinieren. Damit ist die Summe unserer Fähigkeiten größer als das, was wir zusammen leisten. Wir bleiben hinter unseren Möglichkeiten zurück. Das Ganze ist dümmer als die Summe der Intelligenz der Einzelnen. Wir sind schwarmdumm.

Duecks Appell ist glasklar: Es ist Zeit, der Schwarmdummheit ein Ende zu machen, und einer der wesentlichen Aspekte dafür ist, auf die einfache Seite zu wechseln – nicht etwa auf die „simple“, sondern auf die „smarte“. Work smarter, not harder!

Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste ist, brutal zu simplifizieren. Im Englischen auch „dumb down“ genannt. Das heißt, man ersetzt z.B. bei Konzepten oder Präsentationen komplexe Sachverhalte durch Floskeln. „Wir müssen das nachhaltig angehen.“ „Wir sind gut aufgestellt.“ Oder die zweite – und klar zu bevorzugende Variante – ist, das Komplexe durch paradigmatische Beispiele und Vorstellungsbilder so genial einfach darzustellen, dass es für jedermann unmittelbar eingängig ist. In Bezug auf eine Präsentation heißt das etwa, dass der Redner sehr lange über Metaphern, Bilder, Vorstellungen, Visionen und sprechende Bilder aus dem Erfahrungshorizont der Zuhörer nachdenkt, die das Wesentliche der komplexen Zusammenhänge auf den Punkt bringen und den Zuhörer dann damit konfrontiert und inspiriert. Das kostet mehr Mühe, erzielt aber echte Wirksamkeit.

Klarheit verlangt allerhärteste Arbeit. Doch die lohnt sich. Es ist Zeit, (kluge) Einfachheit wieder schätzen zu lernen und in sie zu investieren. Wenn wir klug einfach oder auch genial einfach – um mit Duecks Worten zu sprechen – zusammenarbeiten und kommunizieren, dann sind wir effizienter und letztendlich auch zufriedener mit unserer eigenen Arbeit und dem Gesamtergebnis. Also, Ego aus dem Weg und Muße finden, um letztendlich klüger, aber weniger zu arbeiten.

Und wer erstmal im Theater ausprobieren will, bevor er sich im Arbeitsalltag versucht, der hört auch beim Improtheaterworkshop immer und immer wieder als Erinnerung: „Keep it simple!“

In unserer Rubrik Steife Brise INPUT möchten wir Ihnen Anregungen für Ihren Business-Alltag geben. Meist sind es die kleinen Gedanken oder unerwarteten Ideen, die uns helfen, aus Denkmustern zu entkommen. Wir möchten Ihnen nicht vorenthalten, womit wir uns beschäftigen, was uns inspiriert, anregt, fordert, interessiert und ein Quell der Freude bei der Arbeit ist.

Geschrieben am 1. September 2016 von Carmen Below