Steife Brise INPUT

Zuhören ist der Schlüssel zum Hier und Jetzt

Vergangenheit und Zukunft sind zwei riesige Welten, die dem Hier und Jetzt nicht das Wasser reichen können. Wem es gelingt, im Moment zu sein, der hat nicht nur eine der drei Improregeln beherzigt, sondern lebt zufriedener. Warum fällt es so vielen Menschen so schwer im Moment zu sein?

In den Steife Brise Improtheater-Workshops unterrichten wir die Kunst der Improvisation, die auf drei Grundregeln basiert:

  1. keine Angst vor Fehlern und vorm Scheitern haben
  2. „Ja, genau“ anstatt „Ja, aber“ sagen und
  3. im Moment sein.

Es ist tatsächlich möglich, zentriert zu bleiben im Augenblick und auf ehrliche und natürliche Art in Beziehung zu treten! Das führt zu einem Mehr an Spontaneität, Freude und Kreativität. Klingt toll, aber wie mache ich das, fragen Sie sich?

Der Schlüssel zur Präsenz im Moment ist aufmerksames Zuhören. Oder umgekehrt: Echtes Zuhören verlangt, im Augenblick zu sein. Wann immer Sie sich in einen Dialog begeben, verlangt es von Ihnen, Ihren Standpunkt, Ihre Gedanken und Ihre inneren Programme loszulassen. “Ach so! Ja klar, das kann ich”, meinen Sie! Wirklich?

Kennen Sie auch dieses ständige Geplapper in Ihren Gedanken? Zuhören beginnt damit, die Konversation unserer Gedanken zu stoppen. In jedem Moment, in dem wir im Gespräch sind, kommentieren unsere inneren Programme sofort, was immer wir hören. Wir geben uns den Bildern in unserem Kopf hin und starten sofort, das Gehörte zu bewerten.
Wer seine Aufmerksamkeit darauf lenkt, was die andere Person sagt, aber sich nicht bemüht herauszufinden, was der andere wirklich sagen will, der hört zumindest hin. Aktives Zuhören verlangt aber, dass die Person, die zuhört, dies vom Standpunkt der Person aus tut, die spricht. Echtes Zuhören ist also eine Kunst des Perspektivenwechsels.

Es gibt Vieles, das uns davon abhält, wirklich zuzuhören. Einige Beispiele:

– Bereits mit einem Problem beschäftigt zu sein, also geistesabwesend zu sein. Denn leider kann unser Verstand immer nur eine Sache auf einmal erfassen.
– Wir hören nur das, was wir kennen bzw. was wir schon wissen und ergänzen die Lücke mit einer uns bekannten Bedeutung.
– Wenn wir uns selbst verteidigen, manipuliert unser Verstand, was gesagt wird, damit wir widersprechen können, es als unrichtig nachweisen und unserem Standpunkt Recht geben können.
– Haupthindernis für das Zuhören aber sind unsere inneren Programme!

So jetzt viel Spaß beim aufmerksamen Zuhören. Aber vergessen Sie bitte nicht Offen zu bleiben für die Freude und den Schmerz aus der Vergangenheit und für das, was die Zukunft bringt – oder nicht bringt.

Literatur-Tipps:
“achtsam sprechen – achtsam zuhören” von Thich Nath Hanh, Droemer Knauer, 2014
“Erfolgreiche Gespräche durch aktives Zuhören” von Rolf H. Bay, Expert Verlag, 2014
“Die Kunst des Zuhörens” von Francesc Torralba, C.H. Beck, 2007
“Von der Kunst des Zuhörens” Erich Fromm, Ullstein Taschenbuch, 2005

In unserer Rubrik Steife Brise INPUT möchten wir Ihnen Anregungen für Ihren Business-Alltag geben. Meist sind es die kleinen Gedanken oder unerwarteten Ideen, die uns helfen, aus Denkmustern zu entkommen. Wir möchten Ihnen nicht vorenthalten, womit wir uns beschäftigen, was uns inspiriert, anregt, fordert, interessiert und ein Quell der Freude bei der Arbeit ist.

Geschrieben am 19. Oktober 2015 von Carmen Below