Steife Brise Backstage

Youssef Rebahi-Gilbert

Welche Farbe hat Schnee? Weiß.
Welche Farbe haben Sommerwolken am Himmel? Weiß.
Welche Farbe hat ein westeuropäisches Brautkleid? Weiß.
Was trinkt die Kuh?

Milch!
Ha, aber nur die Kleinen! Ansonsten? Richtig: Wasser.

Steife Brise
Youssef Rebahi-Gilbert ist studierter Informatiker. Er ist seit 2013 Ensemblemitglied der Steifen Brise und als Schauspieler und Workshopleiter im Einsatz.

Ich war 16, mein C-64 (das ist ein Computer) war der Hauptzeitvertreib. „Humor entsteht durch den Bruch einer Erwartungshaltung.“ Das war eine der Regeln, die ich damals in einem VHS-Kurs „Kabarett & Comedy“ lernte. Als Beispiel kam u.a. die oben stehende Scherzfrage. Im selben Kurs lernte ich erstmals Improvisationstheater kennen. Da gab es noch mehr Regeln! „Nicht blockieren“, „Ideen annehmen!“, „Nicht clever sein!“ und weitere.

Für einen Computerfreak wie mich waren Regeln ein Traum! Nach Regeln wusste ich immer was witzig ist und funktioniert. War etwas lustig und passte auf keine mir bekannte Regel, suchte ich ein Muster bis ich es fand. Aus Regeln machte ich Formeln und finanzierte mir Teile des Informatikstudiums als Gagautor für Funk & Fernsehen. Die Sache hat natürlich einen Haken. Befolgt man stets alles „regelkonform“ entsteht unweigerlich Routine. Man erzwingt unwissentlich immer dieselben Szenen, dieselben Figuren, dieselben Witze. Das ist zwar entlastend, verbraucht weniger Energie und ist evolutionär praktisch – aber, zumindest auf der Bühne, langweilig.

Erst Jahre später, dank Trainings mit Katharina Butting, lernte ich, dass man als Bühnen-MacGyver nicht nur seine Kollegen, sondern auch sich selbst ständig fordern muss. Bringe ich mich selbst in brenzlige, fehlerträchtige Situationen, ist es für mich prickelnd – vor allem aber spannend fürs Publikum! Dabei muss es nicht mal lustig, sondern darf auch anrührend sein. Es war Morpheus’ rote Pille aus der Einheitsmatrix.

Mittlerweile breche ich immer wieder aufs Neue keine Erwartungshaltung, sondern meine Regeln. Die Improvisation ist zur Lebenseinstellung geworden.

Geschrieben am 1. Juni 2015 von Carmen Below