Steife Brise Backstage

Auf einen Kaffee mit Thorsten Brand…

Er ist Gründer und GF der Steifen Brise und appelliert an Unternehmen: „Kümmern Sie sich um Ihre Mitarbeiter.“ Er spricht über das Scheitern, die Haltung, die dabei zählt, und den Spaß miteinander bei der Arbeit.

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1992 hat Thorsten Brand die Steife Brise gegründet. Seitdem achtet er darauf, dass die künstlerische Qualität der Steifen Brise gleichbleibend hoch ist. Als Moderator beim Improslam begeistert er monatlich die Zuschauer in seiner Personality-Show im Imperial Theater. Er lebt gemeinsam mit Katharina Butting und ihren vier Kindern in Plön.

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Ihr bringt Veranstaltungen den Spaß oder ein unterhaltsames Event. Aber ihr macht auch mehr. Tatsächlich hat sich gezeigt, dass Unternehmenstheater viel mehr kann, als nur den Spaß bringen.

Ja, innerhalb kürzester Zeit ist durch unsere gewachsene Souveränität und unser gewachsenes Talent auch unsere Beratungskompetenz gewachsen. Wir haben alle, denke ich, eine sehr gute Auffassungsgabe, von dem, was wir machen. Wenn wir in Unternehmen rein kommen, haben wir eine gutes Gespür dafür, was dort los ist. Und: Wir können diese Themen sehr schnell auf den Punkt bringen. Wir greifen die Dynamik auf, die wir erleben. Wenn wir in Unternehmen gehen, betonen wir damit von vorne herein: „Kümmert Euch um Eure Leute. Lasst das Klima besser werden.“

Improvisationstheater gelingt, wenn man drei Regeln befolgt: Ja, genau! sagen, Im Moment Sein und Fehler zulassen. Das Scheitern ist Bestandteil dieses Theaters. Das ist für Unternehmen ein unsicherer Faktor. Das sagt ihr auch in Briefings. Warum ist das Scheitern so wichtig?

Für die Unternehmen hört es sich besser an, wenn man sagt: Mut zum Risiko. Wenn ich Angst vorm Scheitern habe, mache ich nichts. Dann bin ich gehemmt. Wenn ich aber mutig bin und was riskiere, entsteht Neues!

Also Fehler und das Scheitern zulassen und nutzen, um daraus im Unternehmen eine lebendige Fehlerkultur zu entwickeln, damit Neues entsteht.

Ja, genau! Das wäre der Idealfall. Aber Improvisation und Spontaneität sind immer noch -gerade in der Businesswelt- ein rotes Tuch. Unsere Mission ist es aber, zu sagen: „Improvisieren ist eine starke Eigenschaft!” Das heißt nicht, ich kann kein Flugzeug fliegen und setze mich ins Cockpit. Das meinen wir damit nicht. Das wäre Scheitern im wahrsten Sinne des Wortes. Aber zu erkennen: Das ist mein Talent oder meine Ausbildung, das kann ich sehr gut. So, und jetzt möchte ich mich weiter entwickeln. Weiterentwicklung gelingt nur, wenn ich Mut habe, was zu riskieren, und einen Schritt voraus gehe.

Du sagtest ja eben: Letztendlich muss ich nur drei Regeln befolgen und dann läuft es. Das wäre schön! Aber das ist für Manche tatsächlich sehr schwer. Was zählt, ist die Haltung, die man einnimmt. Das ist wie bei unserem Training „Ihr Auftritt“: Wie möchtest du gerne wirken, und wie wirkst du aber. Da ist erst mal die Erkenntnis: „Das fällt mir schwer. Da müsste ich dran arbeiten.“ Hier setzen wir an: Das ist ja gar nicht schlimm, sondern der Anfang zur Weiterentwicklung!

Also mutig sein beginnt ganz klein? Z.B. indem ich mir die Frage beantworte: Bin ich bereit für Veränderung?

Wenn wir in Unternehmen gehen, wollen wir nicht, dass alle wie wild Bungee-Jumping machen und uns beweisen wie mutig sie sind. Es reicht schon das nächste Mal nicht mit der S-Bahn, sondern mal mit dem Bus zur Arbeit zu fahren. Wenn wir mit Teams arbeiten, geht es uns darum, dass alle miteinander feststellen, wo sie gerade stehen und was sie mehr tun könnten, damit sie für sich ein Gefühl bekommen, mal mutiger zu sein.

Wenn man mit Kunden von Euch zwei oder drei Jahre nach Eurem Einsatz bei ihnen spricht, hört man oft, dass ihr mit ganz kleinen Szenen in Erinnerung geblieben seid.

Wir sind Profis für Veränderung. Wir können ganz schnell theatral emotionalisieren auch mit großen Gruppen, also gleich ob es 20 oder 1000 Mitarbeiter sind. Wir erkennen die anzusprechenden, durchaus ernsten Themen sehr schnell, thematisieren sie in Szenen auf der Bühne und der Spaß ist trotzdem dabei. Das bleibt in Erinnerung. Es darf gelacht werden. Das ist nicht so albern wie auf der Weihnachtsfeier. Es ist zwar Schenkelklopfen dabei, aber eben mit sehr ernst zu nehmenden Themen. Trotzdem mit einer Leichtigkeit dargeboten, die wir einfach haben und die wir mitbringen. Ich glaube, das ist unser Fund. Wir gehen ja nicht in eine Firma und sagen: „Wissen Sie, wenn Sie uns gesehen haben, geht danach alles besser.“

Ihr öffnet zuallererst Türen und bereitet den Weg…

Genau: Wir sind die, die es anstoßen können. Wir sind die, die Sie danach gerne begleiten, um die angestoßenen Prozesse weiter zu unterstützen. Zu unserem Businesspart ist aufgrund unserer Erfahrung der Trainingsbereich mit dem Trainingsinstitut dazugekommen. Es geht darum, wacher dafür zu sein, gut miteinander umzugehen. Das beste und das größte Potential, sind die Mitarbeiter. Wenn die Spaß haben, dann arbeiten die auch – und das interessiert ja Unternehmer – für weniger Geld. So doof das klingt. Aber sie haben Lust und machen mit. Das ist ein so wichtiges Thema: Lust zu haben und den Sinn zu erkennen, in dem, was ich tue. Das Thema Work-Life-Balance: Habe ich für mich noch das gute Gefühl zu dem, was ich verkaufe, was ich bin? Das ist wichtig. Da muss man als Unternehmen Geborgenheit schaffen. Man muss Vertrauen schaffen. Man muss Zuverlässigkeit schaffen. Und vor allem zuhören können!”

Geschrieben am 27. März 2015 von Carmen Below