Steife Brise an der Uni: Seien Sie einfach Sie selbst!

Im Rahmen der „Weiterkommen“-Initiative des Hamburger Abendblatts gibt Verena Lohner ein Seminar in Sachen Authentizität: „Authentisch. Souverän. Ich.“ Genau so. Am 5. und 6. April 2014 am Institut für Weiterbildung der Uni Hamburg.

Dazu schreibt das Hamburger Abendblatt:

“Seien Sie einfach Sie selbst!

14.03.14

Zeigen Sie bei Vorträgen ruhig mehr Mut zu Authentizität, stellen Sie Ihre inneren Zensoren ruhig

Von Andrea Pawlik

Eigentlich hat man sich doch wirklich bestmöglich auf dieses Referat vorbereit. Das Thema sitzt, die Präsentation ist übersichtlich, der Vortrag dreimal geübt. Und dann hockt dieses kritische Gesicht in der ersten Reihe. Die Maske fällt, vorbei ist es mit der Selbstsicherheit. “Wenn da jemand sitzt und grimmig guckt, zweifelt man ganz schnell an sich”, sagt Verena Lohner. “Man wird unsouverän und macht Fehler. Es entsteht eine Spirale nach unten.”

Verena Lohner ist Coach und Schauspielerin beim Improvisationstheater “Steife Brise” in Hamburg. Mit Rollen und Maskierungen kennt sie sich aus – gerade weil die Akteure beim Impro-Theater ohne die Maske einer Rolle auf die Bühne gehen. Es geht um Authentizität, darum “sich selbst treu zu bleiben und souverän entsprechend der eigenen Fähigkeiten mit immer wieder neuen Situationen umzugehen”, erklärt die Schauspielerin.

Den anderen eine Rolle vorzuspielen, funktioniert immer nur begrenzt

Das kann man auch auf Job und Studium übertragen: Wer sich beim Vortrag allein durch einen abschätzigen Blick oder eine kritische Nachfrage aus dem Konzept bringen lässt, dem fehlt wohl Authentizität. “Eine Rolle zu spielen, funktioniert immer nur begrenzt”, sagt Lohner. “Darum sollte man sich auch nie vornehmen, besonders clever oder besonders lustig zu sein.”

Wer sich einer Situation nicht gewachsen fühlt, versteckt sich aber nun einmal gern und versucht, den anderen die Souveränität vorzuspielen. Vergeblich: “Wenn ich das Gefühl habe, die an mich gestellten Erwartungen nicht zu erfüllen, passiert das, was auf Außenstehende als unauthentisch wirkt”, erklärt Pamela Bensien, Coach für Persönlichkeitsentwicklung. Dafür braucht es noch nicht einmal nervöses Zappeln oder den ständigen Griff ins Haar. “Unser Unterbewusstsein nimmt wahr, ob der andere echt und glaubwürdig wirkt – oder eben nicht”, sagt Bensin.

Viele Menschen trauen sich gar nicht, authentisch zu sein. Gerade im beruflichen Umfeld. “Oft haben sie den Eindruck, professionell ist etwas anderes als das, was ich bin”, sagt Coach Natalie Schnack, die ihre Klienten in “Sichtbarkeit und Selbstbehauptung” trainiert. “Dann ziehen sie sich – zum Beispiel bei einer Präsentation – mit gestelzter Sprache hinter trockene Fakten und komplizierte Charts zurück. Das wirkt verkrampft.” Seminare in Körpersprache bringen einen dabei nicht weiter, findet die Autorin (“Leise überzeugen”, humboldt). “Diese Haltung muss von innen kommen.”

Sich Vorbilder zu suchen, hilft auch nicht. “Introvertierte gucken oft zu Extrovertierten”, sagt Natalie Schnack. “Extrovertiert werden sie dadurch aber trotzdem nicht. So vergeudet man Energie mit Vergleichen, die einen doch nur unglücklich machen.” Besser findet sie, seinen eigenen Weg zu finden. “Wie kann ich die gleichen Inhalte präsentieren, aber auf meine Art, mit meinen Qualitäten?” Dreh- und Angelpunkt in der Frage, wann man authentisch wirkt, ist also, herauszufinden, was die eigenen Stärken und Schwächen sind. Am Thema Selbsterfahrung führe darum kein Weg vorbei, sagt Schnack.

“Der innere Zustand muss mit außen übereinstimmen”, sagt auch Pamela Bensien. “Dann kann ich authentisch wirken – bei der Präsentation ebenso wie im Bewerbungsgespräch oder anderen beruflichen Situationen.” “Klarheit” sei ein wichtiger Begriff: “Wenn ich innerlich klar bin und meine Kompetenzen kenne, weiß ich zum Beispiel besser, auf welche Stellen ich mich bewerben will.” Immer, wenn man versucht, jemand anderes zu sein, wirkt man nicht authentisch, erklärt die Trainerin. Darum sollte man anerkennen, was ist: zum Beispiel, nicht der geborene Präsentator zu sein. Wer aufhört, sich mit Kommilitonen oder Kollegen zu vergleichen, die rhetorisch perfekt, souverän und auch noch witzig durch ihre Vorträge gleiten, wird weniger Probleme mit seinen eigenen Referaten haben: ganz einfach, weil der enorme selbst gemachte Druck wegfällt.

Wer seine Stärken und Schwächen kennt, geht gelassener mit Stress um

“Es geht darum, Gewohnheiten, Zwänge und innere Zensoren abzulegen”, sagt Steife-Brise-Coach Verena Lohner. Wer weiß, was seine authentische Haltung ist, gehe gelassener mit Herausforderungen um, “mit Situationen, die stressig sind oder in denen man unter Beschuss ist”, sagt Lohner. “Ich reagiere nicht mehr nach alten Mustern, ziehe mich zurück oder werde nervös, sondern habe ein breites Feld von möglichen Reaktionen”, erklärt sie. “Auf einmal kann ich einen Vortrag halten und mache vielleicht sogar einen Witz – obwohl ich mich eigentlich gar nicht für humorvoll halte.”

Geschrieben am 20. März 2014 von Jessica Glossner