Steife Brise Backstage

„Mein Interesse ist der Mensch“

Katharina Buttings Interesse ist der Mensch und die Arbeit mit Körpersprache. Sie ist Leiterin des Trainingsinstituts und erzählt vom Körper als einzigartigem Material, das Klarheit schafft und bei Entscheidungsprozessen helfen kann.

Katharina Butting_Steife Brise
Katharina Butting ist leitende Partnerin der Steifen Brise und verantwortet das Trainingsinstitut. Sie lebt gemeinsam mit Thorsten Brand, dem Gründer der Steifen Brise, und ihren vier Kindern in Plön.

Sie sagten: “Mein Interesse ist der Mensch“. Was meinen Sie damit?

K.B.: Ich habe schon bei meiner Ausbildung auf einem Containerschiff gemerkt, dass mein Hauptinteresse dem Menschen und der großen Unterschiedlichkeit von Menschen gilt. In dem Fokus, den die Begrenztheit des Schiffes gab, habe ich so schon sehr früh erlebt, dass das, was Menschen in ihrer Arbeitsrolle zeigen, manchmal stark im Kontrast zu ihrer Persönlichkeit im Privatleben steht. Ich war fasziniert von der Welt auf dem Schiff mit ihren eigenen Gesetzen und Spielregeln. Manche meiner Kollegen lebten mit zwei völlig unterschiedlichen Anteilen ihrer Persönlichkeit. Ich lernte den anderen, den „Nicht-Schiffs-Anteil“ kennen, weil ich in Vier-Augen-Gesprächen nachfragte und mich für den Menschen dahinter zu interessieren begann. Diese Zeit hat meine Einstellung zu Menschen geprägt: „Sieh hin, hör zu, aber werte nicht – du nimmst von Menschen nur einen kleinen Teil wahr. Wie vom Meer“. In dieser Zeit erlernte ich wichtige „Werkzeuge“ für meine spätere Arbeit.

Wie ging es dann weiter, wollten Sie sofort Trainerin werden?

K.B.: Nein, gar nicht. Das war überhaupt nicht mein Plan. Ich bin meinem zweiten Berufswunsch Schauspielerin nachgegangen. An der Schauspielschule in Hamburg erhielt ich eine solide, handwerkliche Ausbildung und schloss als Diplom-Schauspielerin ab. Der Körper war mein nächstes Werkzeug, ihn als Gestaltungsmaterial zu begreifen und zu erfahren. Körpersprache ist Handwerk. Jeder Körper ist einzigartig und hat seine eigenen Möglichkeiten. Es macht großen Spaß mit diesem wunderbaren Material zu arbeiten – immer wieder, bei sich und anderen.

Aber wie kamen Sie dann doch dazu, mit anderen als Trainerin zu arbeiten?

K.B.: Schauspiel und Regie begleiteten mich weiter auf meinem Weg. Als Regisseurin begann ich, auch mit Laien zu arbeiten, und erhielt daraufhin die ersten Anfragen, mit schauspielfremden Personen zu arbeiten. Nach dem Motto: „Was Sie aus denen herausgeholt haben, ist beeindruckend. Das könnte ich mir sehr gut auch als Hilfe für meinen Beruf vorstellen“. So begann mein Trainerin-Dasein: Menschen genau betrachten, aus ihren Körpern Impulse für ihre Arbeit und ihre Persönlichkeit ziehen. Der Trainerberuf kam zu mir. Ich entschied mich nur, ihn zu ergreifen. Nun trainiere ich seit Jahren Führungskräfte, Menschen in Auftrittssituation oder Gruppen aus den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern.

Die Anfragen sind so vielfältig, dass ich jetzt aufpassen muss, noch Zeit für das Theater zu haben.

Sie spielen also immer noch Theater?

K.B.: Ich spiele im Unternehmenstheater „Steife Brise“ aus Hamburg und bin dort im Führungsteam. Vor 22 Jahren bin ich einem weiteren „Werkzeug“ begegnet, der Methode Spontaneität!

Entschuldigen Sie die Unterbrechung. Jeder kennt Spontaneität als Eigenschaft, aber als Methode?

K.B.: Wir, die Steife Brise, arbeiten mit der Theaterform „Improvisationstheater“, einer Weiterentwicklung der Commedia dell’arte. Improvisationstheater arbeitet mit Spontaneität als Methode. In speziell entwickelten Übungen und theatralen Techniken werden aus Vorgaben des Publikums Geschichten und Stücke entwickelt. Die Werte des Improvisationstheaters sind „Annehmen“, „Im Moment sein“ und „die Akzeptanz von Fehlern“. Dieses kommt auch in der Teamarbeit vor. Improvisiertes Theater kann nur funktionieren, wenn man einander achtet, beachtet und Fehler als Inspiration verwertet. Eine Grundvoraussetzung für die gemeinsame Darstellung ist zu den Ideen der anderen Darsteller „Ja, und“ zu sagen anstatt „Ja, aber“.

Wie nutzen Sie diese Werte in Ihrem Ansatz als Trainerin?

K.B.: Im Training gehe ich mit diesen Werten auf meine Teilnehmer zu, zu denen ich sage: „Sie sind die Fachleute auf der Inhaltsebene, ich die Spezialistin auf der Körper und Beziehungsebene, und nun legen wir unser Wissen übereinander.“ Wir gestalten eine souveräne, selbstbewusste, zielorientierte „Arbeits-Figur“. Zusätzlich gebe ich das Können, „Ja, und“ zu sagen, durch Übungen weiter und stärke eine aktive Form von Zusammenarbeit in den Unternehmen. Eine weitere Orientierung erfahren die Teilnehmer durch die Stärkung von Entscheidungsfähigkeit und dem Aufzeigen von Handlungsoptionen in der Arbeit an ihrer Körpersprache. Der Körper hilft in Entscheidungsprozessen und vermittelt Klarheit.

Lassen sich körpersprachliche Signale durch ein oder zwei Trainingseinheiten verändern?

K.B.: Oh ja! In einem Training lässt sich sehr viel erfahren und eigene Wege aufzeigen. Um mit seinem körpersprachlichen Ausdruck bewusst und professionell zu arbeiten, ist ein angeleitetes Selbsttraining unabdingbar. Deshalb erhalten alle Teilnehmer Arbeitsaufgaben nach ihren individuellen Potentialen.

Vielen Dank für dieses Interview!

Geschrieben am 29. April 2015 von Carmen Below